Denunzieren - Riskanter neuer Volkssport?

denunzieren

Jeden Tag sind wir damit konfrontiert, lesen davon oder denunzieren selbst. Doch seit der Corona-Krise hat das enorm zugenommen. Jeder Mensch, der selbst denkt, anders denkt, wird in Wort und Schrift angegriffen. 

Kennst du die Zeitungsartikel, in denen die Menschen als Covidioten, Verschwörungstheoretiker oder Aluhutträger verurteilt werden? Und das sind noch die harmlosesten Ausdrücke für Menschen, die eine andere Meinung haben. Ganze Länder werden denunziert, was am Beispiel von Schweden deutlich wird. Doktoren, Professoren und Anwälte werden wegen ihrer Meinung in der Öffentlichkeit abgewertet.  Mittlerweile kann man sogar in einigen Städten anonyme Anzeigen online erstellen, wenn man einen Verdacht auf Verstöße gegen die Corona-Regeln hat.

Kannst du dich noch an deine Schulzeit erinnern? Du hast mit deiner Freundin oder deinem Freund geredet, gelacht und Blödsinn gemacht. Der Lehrer dreht sich wütend um und fragt, wer war das? Puh nochmal Glück gehabt, der Lehrer hat uns nicht erwischt. Doch dann dreht sich jemand aus der ersten Reihe um und zeigt auf euch. Das war vielleicht das erste Mal, dass du denunziert wurdest. Weißt du noch, wie du dich da gefühlt hast? Oder warst du sogar der Fingerzeigende in der ersten Reihe?

Was bedeutet eigentlich denunzieren?

Der Duden liefert hierfür folgende Erklärung für das Verb denunzieren:

1. (aus persönlichen niedrigen Beweggründen) anzeigen.”
Die Herkunft ist lateinisch denuntiare  und bedeutet ankündigen, anzeigen.
Der Gebrauch ist abwertend.

“2. als negativ hinstellen, öffentlich verurteilen, brandmarken.”

To denounce stammt aus dem Englischen.

Die Internetseite neueswort.de erläutert es so:

Das Verb denunzieren bedeutet, jemanden oder etwas (meist aus niederen Beweggründen) anzuzeigen, zu verraten, oder öffentlich bloßzustellen.”

Synonyme zu denunzieren sind beispielsweise „brandmarken“, „verleumden“, „anschwärzen“ oder „kompromittieren“.

Und auf Wikipedia kann man folgende Erklärung für das Verb denunzieren nachlesen:

Unter einer Denunziation (lat. denuntio, „Anzeige erstatten“) versteht man die (Straf-)Anzeige eines Denunzianten aus persönlichen, niedrigen Beweggründen, wie zum Beispiel das Erlangen eines persönlichen Vorteils.”

Alle sind sich einig, denunzieren geschieht aus niederen Beweggründen.

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Motive der Denunziation

Der Denunziant handelt normalerweise aus Neid, Rache oder um mit der Denunziation Macht zu erhalten. Er möchte dafür gelobt werden und fühlt sich damit im Recht. Er glaubt damit etwas Gutes für alle und vor allem für sich selbst zu tun. Der Denunziant sieht die Fehler immer in den Anderen, egal ob Freunde oder Verwandte. Durch dieses Verhalten empfindet er Glück und vorübergehende Befriedigung. Ganz bewusst denunziert er, um damit größtmöglichen Schaden für die Person oder Gruppe zu erzielen. Ob damit die berufliche Laufbahn oder das soziale Leben für den Geschädigten in Gefahr gerät, spielt dabei keine Rolle, nein er wünscht es sich sogar. 

In der Geschichte der Menschheit finden sich immer wieder Beispiele von Denunziation. 

In der Bibel verriet Judas Jesus für 30 Silberlinge. Auch wenn Jesus ihm vergab, er zutiefst bereute und das Geld zurückgab, konnte er sich selbst wohl nicht verzeihen.

Im 3. Reich wurde denunzieren regelrecht zu einem Volkssport. Es nahm solche Ausmaße an, dass ein Erlass verabschiedet wurde, dass dieses Verhalten des Menschen unwürdig sei. Und trotzdem bot diese Zeit unheimliche Möglichkeiten für Denunzianten.

In der DDR stand die Nichtanzeige von bestimmten Straftaten selbst unter Strafe. Auch hier gab es unzählige Verräter. Nachbarn, Freunde und Verwandte wurden allein schon angezeigt, wenn sie Radio oder Fernsehsender aus dem Westen empfingen.

Vergleiche mit der damaligen Zeit werden heute gezogen.

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Ganze Städte stiften zum Denunzieren an

In manchen Städten kann man jetzt angebliche Verstöße gegen die Corona-Schutzverordnungen  melden. Online und anonym, wer will, darf natürlich auch seine Kontaktdaten hinterlassen. Bei Bedarf auch mit Fotos des Tatbestands.


Ich frage mich, was passiert nach so einem angeblichen Verstoß? Rückt das Gesundheitsamt mit einer Hundertschaft der Polizei an? Oder gar eine Sondereinheit der Bundeswehr?
Kommt dann eine Quarantäne Empfehlung?
Ich habe gehört, dass eine Verfügung zur Quarantäne nur mit einem richterlichen Beschluss erfolgen kann.


Was für ein enormer (Kosten-) Aufwand, wenn jedem Verdacht nachgegangen wird.

Experten aus Politik und Medien stehen diesen Online Formularen höchst kritisch gegenüber.

Denunziation in den sozialen Medien

In den sozialen Medien ist die Hemmschwelle noch viel niedriger. Menschen werden verunglimpft, beschimpft, beleidigt und bedroht. Nur, weil sie eine andere Meinung vertreten.

Wie viele böse Meldungen unter Posts geschrieben werden ist erschreckend. Egal ob es sich um Ernährung, Beauty oder Fitness handelt. Die Flut an böswilligen Kommentaren nimmt nicht ab. 

YouTuber mit einer immensen Reichweite niesen die Namen von namhaften Professoren heraus, um ihre Geringschätzigkeit für diese Person zum Ausdruck zu bringen.

Warum?

Wenn es Beweise für Falschaussagen gibt, warum denunzieren? Dieses Verhalten wird dann auch noch mit einem Orden belohnt. Lies mehr darüber in unserem Artikel über das Bundesverdienstkreuz. (Artikel ist in Erstellung)

In Blogs wird verpetzt, verhetzt, beschimpft und denunziert.

Ein Austausch mit Respekt, Überzeugung und Leidenschaft bringt uns doch viel weiter als primitive Hetz-Meldungen. Das aber erzeugt wesentlich weniger Klicks…

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Die Medien als Beispiel der Angst machenden Aussage

Viele Medien kommen ihrer Verantwortung nicht mehr nach uns sachlich und neutral zu informieren.

Diese “neue” Art von Journalismus  ist auf Sensationslust und Angst gegründet. 

Ein neueres Beispiel ist die Mortalität (Sterberate) in Schweden. In vielen Meldungen hat man gelesen, dass Schweden die höchste Sterberate seit 150 Jahren hat. Das soll uns verdeutlichen, dass Schweden im Vergleich mit den anderen europäischen Ländern einen Fehler im Umgang mit der Corona-Krise gemacht hat. Das klingt reissend und nach einer Sensation. Sobald man aber hinter die Fassade dieser Nachrichten blickt, bröckelt alles einfach ab. 

  • vor 150 Jahren hatte Schweden ca. 4 Millionen Einwohner
  • heute hat Schweden mehr als 10 Millionen Einwohner

Da die Bevölkerung um ca. 150 Prozent angestiegen ist, kann man diese Zahl nicht vergleichen. Wenn man die Sterbefälle der letzten Jahre vergleicht, kann man bis jetzt keine Übersterblichkeit feststellen. 

Es gibt noch viele Schlagzeilen dieser Art, die sich gegen Ärzte, Anwälte und berühmte Personen richten. Solange sie nicht die allgemeingültige Meinung vertreten können sie jederzeit denunziert werden.

Fazit

Auch wenn jeder von uns schon mal jemanden angeschwärzt hat, sollten wir uns überlegen, ob das die Welt ist, in der wir leben möchten.

Wenn sich die allgemeine Meinung ändert könntest du das nächste Opfer sein.

Zum Schluss möchte ich noch einen Text des deutschen Dichters Max Kegel (1850 – 1902) zitieren: 

Willst wissen du, mein lieber Christ, wer aller Menschen Auswurf ist? Die Antwort liegt ja auf der Hand: Es ist allein der Denunziant. Gefährlich ist ein toller Hund, gefährlich ist der Lügenmund, gefährlich ist, wer stiftet Brand, gefährlicher der Denunziant. Verpestet ist fürwahr die Luft, wo atmet solch ein Schelm und Schuft. Verpestet ist ein ganzes Land, wo schleicht herum der Denunziant. Wird er erblickt im Freundeskreis, macht man ihm bald die Hölle heiß und ruft, ist er erst einmal erkannt: Hinaus! Er ist ein Denunziant. Und wenn er einst im Grabe liegt und seine Seel’ nach oben fliegt, ruft Petrus: Fort, Halunk! Verbannt von hier ist jeder Denunziant.

 

Bildquelle: https://pixabay.com/

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